Motive für die Haltung von Papageien in der Wohnung (Der Prozess der Anschaffung 1)

Irgendwann ist er da: der Wunsch, einen Papageien zu halten.
Vielleicht wollte man nur irgendein Haustier und ein Hund ist zu aufwändig, Fische zu langweilig, Meerschweinchen machen nichts her, gegen Katzen ist man allergisch … ein Vogel könnte das richtige sein und ein Papagei ist schön bunt und kann sogar sprechen.
Auf zur nächsten Zoofachhandlung, die auch einen wunderschönen grünen Vogel mit blauer Stirn dort sitzen hat. 

Auf Nachfrage erfährt man, es handele sich um eine Amazone. Futter und Käfig habe man auch hier – viel Spaß mit dem Tier.

 Nein, so läuft es hoffentlich nur selten. 

Die meisten potentiellen Halter versuchen sich schon vorher zu informieren und es gibt viele Fachhandlungen, die zumindest Basisinformationen vermitteln können.
Dennoch reicht die Information alleine in der Zoofachhandlung nie aus, es müssen andere Quellen herangezogen werden.

 Damit beginnt ein Prozess, an dessen Anfang die Frage steht: warum will ich einen Vogel?

Ich werde oft gefragt, weshalb ich Papageien halte. Das ist eine Frage nach meinen Motiven, eine Frage, die ich nach 36 Jahren immer noch nicht richtig beantworten kann.  Ich weiß, wie es dazu gekommen ist und dass ich mindestens seit meinem sechsten Lebensjahr Papageien wollte: Der erste Wellensittich gehörte meiner Schwester, die aber nur geringes Interesse an dem Vogel hatte. Ich quengelte schließlich solange, bis er meiner war, der blaue Peter.

Peter und Pinky

Peter und Pinky – meine ersten Wellensittiche. Immerhin schon in einem Käfig, der damals laut Zoofachhandel für Nymphensittiche gedacht war.

Einer reichte mir nicht, im Laufe der Jahre kamen weitere Vögel hinzu bis ich mir schließlich den Traum vom „richtigen Papageien“, für mich lange Zeit Graupapageien, erfüllen konnte.
Aber wieso? Ist es einfach nur eine Frage der Sozialisation gewesen?
Würde ich heute Fische halten, wäre mein erstes Tier ein Goldfisch gewesen? Also nur ein Zufall? Wer weiß.
Liegt es daran, dass ein jüngerer Bruder immer auch das will, was die ältere Schwester hat? Möglich.
Das man als jüngster Kind endlich etwas hat, was noch kleiner, noch hilfloser ist als man selbst, dem gegenüber man Fürsorge, aber vielleicht auch Macht zeigen kann?  Kann sein.
Dass man mit „seinem“ Haustier vor Freunden angeben kann? Vielleicht.
Dass man als Stadtkind, das ich war,  etwas „Natur“ um sich haben will?
Eventuell.
Eine Kombination aus all diesen und eventuell weiteren Faktoren? Wahrscheinlich.

Letztlich weiß ich nur mit Gewißheit, dass mich keine andere Tierart so fasziniert wie die Vögel und von diesen wiederum die Papageien. Ich weiß, das es mich glücklich macht, ein Bedürfnis befriedigt, mit meinen Papageien zusammenzuleben.
Die Frage nach dem Motiv / den Motiven kann also sehr in die Tiefe gehen und lässt sich dann wahrscheinlich kaum ohne Hilfe abschließend beantworten.

Nun kann und will ich nicht fordern, dass man vor der Anschaffung von Papageien erst eine Psychoanalyse macht, um die vielleicht tiefliegenden Motive für diesen Wunsch zu erfahren. Aber jeder, der den Wunsch verspürt, sich Papageien anzuschaffen, sollte sich doch die Zeit nehmen, die eigenen Motive zu hinterfragen und dabei auch möglichst ehrlich zu sich selbst zu sein.
Die Motive prägen, bewusst oder unbewusst, auch die Vorstellungen von und Erwartungen an Papageien und ihre Haltung.

Als sicher kann man nur annehmen, das Haltung von Papageien vor allem ein soziales Bedürfnis des Halters befriedigt.
Von Psychologen werden vor allem folgende Motive genannt:

  • Kind- oder Partnerersatz
  • Abwechslung von Alltag und Beruf, Ablenkung von Problemen, Entspannung
  • Natur im Haus
  • Prestige, Erhöhung des Selbstwertgefühls, Macht

Das Kinder- und Partnerersatz ein wichtiges Motiv für die Heimtier- und damit auch die Papageienhaltung darstellt wird auch durch die Erkenntnisse einer Studie des Industrieverbandes Heimtierbedarf e.V. untertstützt:

„Im Rahmen der Studie beauftragte der IVH das Institut Infratest/Dimap, 2.000 Halter und Nichthalter zu den wichtigsten Motiven und Barrieren der Heimtierhaltung zu befragen. Demzufolge ist das soziodemografische Profil in starkem Maße abhängig von der Lebensphase und dem Alter der Heimtierhalter. Paare ohne Kinder und Singles ab 40 Jahren stellen insgesamt in absoluten Zahlen die meisten Heimtierhalter in Deutschland. Fast sechs von zehn Heimtieren werden von Personen aus diesen Bevölkerungsgruppen gehalten.
Paare ohne Kind und Singles ab 40 Jahre stellen

  • 60 Prozent der Katzenhalter-Haushalte
  • 59 Prozent der Hundehalter-Haushalte
  • 58 Prozent der Ziervogelhalter-Haushalte
  • 48 Prozent der Zierfischhalter-Haushalte
  • 38 Prozent der Kleintierhalter-Haushalte

Betrachtet man jedoch die Quoten innerhalb der einzelnen Bevölkerungsgruppen, sieht die Gewichtung anders aus. So ist beispielsweise der Anteil der Heimtierhalter in der Gruppe der Paare mit Kindern bei allen Heimtierarten am höchsten. Singles ab 40 Jahre weisen für alle Heimtierarten die niedrigsten Besitzquoten aus. Diese Bevölkerungsgruppe hält am ehesten eine Katze oder einen Hund aber kaum Kleintiere und Zierfische. Die Abhängigkeit der Heimtierhaltung von der Lebensphase ist für Hunde und Kleintiere am stärksten und für Ziervögel am wenigsten stark ausgeprägt….“ [1]

Noch deutlicher drückt es die Stiftung Tier im Recht aus:

Die Heimtierhaltung hat eine jahrhundertealte Tradition, erfuhr seit der Mitte des 20. Jahrhunderts jedoch einen tief greifenden Bedeutungswandel. Die kontinuierliche Zunahme und der in unseren Breitengraden generell hohe Stellenwert von Heimtieren lassen sich dabei auf verschiedene Faktoren zurückführen. Während man mit ihrer Haltung früher in der Regel ausschliesslich rationale Absichten verfolgte (der Hund hatte über Haus und Hof zu wachen, die Katze Nager zu fangen und der Käfigvogel den Menschen mit seinem Gesang zu erfreuen), dienen Pets heutzutage oftmals auch der Befriedigung sozialer Bedürfnisse ihrer Besitzer. Neben rein emotionalen Gesichtspunkten, wie der Freude und dem Interesse am Tier, kommen daher auch dem Verlangen nach Sicherheit und Gesellschaft wesentliche Bedeutung zu. Vor dem Hintergrund einer zunehmend technisierten Umwelt wächst der allgemeine Wunsch, durch Kontakte zur Natur und zu Tieren der für unsere Zeit charakteristischen Gefahr einer gefühlsmässigen Vereinsamung zu begegnen. Die durch die Industrialisierung bewirkte starke Veränderung gesellschaftlicher Lebensformen und die damit einhergehende Verstädterung, Auflösung familiärer Strukturen und zunehmende Anonymität des Einzelnen hat trotz – oder gerade wegen – des materiellen Wohlstands zu emotionaler Disbalance und einer steigenden Verarmung zwischenmenschlicher Beziehungen geführt, worunter in der Regel Kinder, Jugendliche und alte Menschen besonders leiden. Namentlich allein stehende und unverstandene Menschen – denen die durch moderne Familienstrukturen bedingte Isolation besonders häufig zu schaffen macht – versuchen durch die Gemeinschaft mit Tieren der Einsamkeit zu entgehen und finden darin jene Aufmerksamkeit und Zuneigung, die sie von ihren Mitmenschen vermissen. Nicht selten füllen die Fürsorge und Verantwortung für ein Tier das eigene Leben mit Sinn und Befriedigung bzw. stellen Heimtiere gar einen Partner- und Liebesersatz dar. Der Umstand, dass Mensch-Tier-Bindungen oftmals weit länger überdauern als zwischenmenschliche Beziehungen, ist hinreichend bekannt.[2]

  1. [1]Quelle: ZZA 12/2003, Seite 26; http://www.zza-online.de/artikel/031226.html, letzter Besuch 04.10.2014)
  2. [2]Quelle:
    http://www.tierschutz.org/tierschutz/problembereiche/heimtiere/haltung/index.php, letzter Besuch 04.10.2014)

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