Wilde Tiere

Tiere im Haus = Haustiere?   

Fragt man heute die Menschen, welche Haustiere sie halten, so bekommt man die unterschiedlichesten Antworten:
da sind Säugetiere wie Hunde, Katzen und Meerschweinchen, Fische wie Kois und  Clownsfische, Vögel wie Wellensittiche oder Graupapageien, Reptilien wie Bartagamen oder Schildkröten, Amphibien wie Frösche und Molche oder Insekten und Taranteln.
 
Allen diesen Tieren gemeinsam ist, dass sie ihr Leben im Haus eines Menschen verbringen oder zumindest in einer Aussenanlage.
Folgt man dem allgemeinen Sprachgebrauch sind es also Haus- oder auch Heimtiere.
Aus wissenschaftlicher Sicht sind jedoch von den oben genannten Tieren nur Hund, Katze, Meerschweinchen, Kois und Wellensittiche Haustiere, denn sie sind Ergebnis einer Domestikation.
Von den Papageien gelten neben dem Wellensittich vor allem der Nymphensittich als domestizierte Haustiere. Manchen Autoren nennen auch den Halsbandsittich, einige Grassitticharten, das Rosenköpfchen und die Unzertrennlichen der personata-Gruppe.[1]
Bei den anderen genannten Tierarten handelt es sich dagegen um
Wildtiere.
 
Was aber ist Domestikation und inwieweit hat sie Bedeutung für eine art- und tiergerechte Haltung?

Die Haustierwerdung

Unter dem Begriff „Domestikation“ versteht man einen Vorgang, um Tiere und Pflanzen an die Ansprüche und Bedürfnisse des Menschen anzupassen.
Ergebnis ist die die Entwicklung der Kulturpflanzen und Haustiere, wobei man zwischen den Nutztieren und den eigentlichen Haus- oder Heimtieren unterscheidet.

Domestikation erfolgt vor allem durch gezielte Zucht und Selektion.
Heute kommt die Beschleunigung des Wachstums durch Antibiotika, Hormone und Vitamine zur Veränderung des Haustiers sowie Genübertragung bei Tier und Pflanze über Artgrenzen hinweg als neue Methoden hinzu.

An dieser Stelle soll nur die Haustierwerdung interessieren.
Eines ist allen domestizierten Tieren gemeinsam:   Sie haben sich durch den Einfluss des Menschen verändert.

Die Kennzeichen der Haustiere sind:

  • Geringere Widerstandsfähigkeit:

    Ursprünglich baute die Domestikation auf starker Inzucht auf. Dadurch können sich Erbschäden schneller auf die Nachkommen auswirken und wertvolles Erbgut geht verloren. Schon nach wenigen Generationen ist ein domestiziertes Tier in der freien Wildbahn nicht mehr überlebensfähig und fortan auf den Menschen angewiesen.

  • Die Folge war außerdem ein immer mehr einheitlich aussehendes und sich verhaltendes Haustier, was bei den Wildtieren nie in solchem Ausmaß anzutreffen war. Die individuellen Verschiedenheiten sind beim Haustier verlorengegangen und mit ihnen die Vielfalt in der Anpassung an die Umwelt und an Krankheitserreger. Die genetische Vielfalt innerhalb einer Art beginnt verloren zu gehen.
  • Auf der anderen Seite nimmt die äußere Vielfalt zu, indem aus einer Wildform verschiedene Rassen gezüchtet werden. Zwar kann man bei Wellensittichen nicht von Rassen sprechen wie bei Hund und Katze, doch gibt es bei ihnen zumindest viele verschiedene Farbspielarten.
  • Größe: Je nach gewünschten Zuchtziel nahm die Größe und das Gewicht eines Tieres im Vergleich zur Wildform zu oder ab.
    Sehr deutlich wird dies bei den Wellensittichen: wiegt ein wilder Wellensittich etwa 25g bis maximal 30g, so bringt eine „Hansi-Bubi-Wellensittich“ etw 40g und ein Standard-Schauwellensittich stattliche 50g auf die Waage.
    Der australische Wellensittich ist 17cm bis maximal 20cm groß, der Schauwellensittich erreicht 25cm.
  • Auch die Gestalt verändert sich: Bei Schauwellensittichen ist der Kopf deutlich größer mit einer hohen, breiten Stirn. Die Vögel wirken außerdem durch eine veränderte Befiederung (langfiedrige Buff-Vögel) auch bulliger als ihre australischen Vettern.  Schließlich gibt es Standardwellensittiche mit Hauben- und Beatlekopfgefieder.
  • Farbe: Die australische Wildform ist grün. Daraus wurden in über hundert Jahren gelbe, blaue und weiße Wellensittiche in über hundert verschiedenen Farbmutationen und -kombinationen gezüchtet. Bei den Schauwellensittichen sind zudem die Kehltupfen deutlich vergrößert.[2]
  • Bei domestizierten Tieren ist eine höhere Vermehrungsrate zu beobachten. Wellensittiche bspw. vermehren sich das ganze Jahr über, allerdings ist bei ihnen auch wieder eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten, vielleicht auf Grund einseitig ausgewählter Zuchtziele.
    Jedoch darf die hohe Vermehrungsrate vieler Papapageienarten nicht ausschließlich auf Domestikation und Selektion zurückgeführt werden:
    Nicht zuletzt spielt auch der Umstand eine Rolle, dass den Papageien aufgrund der klimatischen Haltungsbedingungen und des Futterangebotes stetig eine Brutsaison vorgegaukelt wird und sie optimale Bedingungen für die Brut vorfinden.
  • Verringerte Hirnmasse: Domestizierte Tiere benötigen viele Fähigkeiten nicht mehr, die für die Wildform überlebensnotwendig waren. Die Folge ist, dass sich auch das Gehirn verkleinert, obwohl sich manchmal auch neue Fähigkeiten entwickeln:
  • Verhaltensanpassungen: Durch die Auslese haben sich bei Haustieren eine Reihe von Verhaltensanpassungen an das Leben mit Menschen ergeben. So ist bspw. bei vielen Arten eine verringerte Angrifflust zu beobachten (gegenteilige Entwicklungen gibt es leider aber auch).
    Ein beeindruckendes Beispiel ist der Hund, bei dem durch Domestikation die Kommunikation mit Menschen verbessert werden konnte: ein Hund versteht im gegensatz zu einem zahmen Wolf die Augenbewegung des Menschen (übrigens haben auch Katzen diese Fähigkeit nicht).
  1. [1]Lantermann (1998), S.88
  2. [2]Vgl. Bildergalerie der Deutschen Standard-Wellensittich- Züchter-Vereinigung e. V. (DSV)

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